Consonances imparfaites
Leonel & Dunstable : von der volkstümlichen Tradition bis zur gelehrten Schrift
Der gregorianische Gesang ist der Grundpfeiler, auf dem die ersten Spuren der geschriebenen Musik im Westen konzipiert wurden: Jahrhundertelang entwickelte sich so in ganz Europa die Kunst der Monodie. Auf den Britischen Inseln entstand die Vorliebe für die Mehrstimmigkeit jedoch schon sehr früh: Seit dem frühen 12. Jahrhundert wird in Großbritannien vorwiegend zweistimmig gesungen, und in Wales soll man sogar mit so vielen Stimmen singen, wie es Musiker gibt. Während die ersten Versuche der Polyphonie, die wahrscheinlich von der isländischen und irischen Tradition beeinflusst wurden, auf der Verwendung paralleler Quarten und Quinten beruhten, brachte die Tradition der aus Skandinavien eingewanderten Bewohner der Britischen Inseln sehr bald eine ungewöhnliche Veränderung mit sich: Sie hatten eine besondere Vorliebe für unvollkommene Konsonanzen, Terzen und Sexten.
Diese Tradition scheint nicht aus einer intellektuellen Kompositionsübung hervorgegangen zu sein, sondern eher aus der Praxis der Improvisation. Britische Musiker hatten die Tugend, mehrstimmig zu einer bestimmten Melodie singen zu können. Später, zu Beginn des 15. Jahrhunderts, verkörperten Leonel Power und John Dunstable den Höhepunkt des kontrapunktischen Schreibens in England.
Anhand alter Beispiele und ihrer versierten Improvisationskunst veranschaulichen die Musiker von Comet Musicke den musikalischen Weg der englischen Musik, die sanfte Konsonanzen hervorbrachte - ein Geschmack, der sich allmählich in ganz Europa ausbreitete und den Kurs der westlichen Musik für immer veränderte.
Comet Musicke
Auf der Grundlage der Ikonografie und des Studiums alter Traktate achten wir bei den Sängern auf eine deklamationsnahe Aussprache, bei den Geigern auf ein Spiel im Stehen, um die Stimmen bestmöglich zu begleiten und dem Publikum so nahe wie möglich zu sein, und bei jedem Repertoire - von der Renaissance-Polyphonie bis zu barocken Arien aus Flandern, Italien oder Spanien - auf die richtige Wahl der Instrumente, der Saiten und Bögen.
Abwechselnd als Sänger, Erzähler, Geiger, Kornettist, Flötist, Gitarrist... passen wir das Repertoire an den Reichtum unseres Instrumentariums an und schaffen Konzertbiografien, die Musik, Poesie, Humor und Pädagogik miteinander verbinden. Für die Dauer einer Vorstellung reisen Sie mit uns in Begleitung der europäischen Komponisten, die in ihren jeweiligen Ländern am berühmtesten sind: Tobias Hume, Diego Ortiz, Gilles Binchois, Johanne Ockeghem, Monsieur de Sainte-Colombe, Claudio Monteverdi... oder sogar Jean de la Fontaine, anlässlich seines Geburtstages.
Die von Comet Musicke gespielten Gamben und Bratschen wurden von dem Geigenbauer Marcelo Ardizzone angefertigt.
Distribution
Francisco Mañalich (Tenor und Viola), Aude-Marie Piloz (Viola), Sarah Lefeuvre (Sopran und Blockflöten), François Joron (Bariton), Cyrille Lerouge (Countertenor)